Der Erinnerungsfälscher | Abbas Khider

So etwas sollte jeder einmal lesen.

Die Geschichte um Said Al-Wahid ist zwar erfunden, aber sie wirkt so echt, dass darin vieles aus der Realität des Autors stecken muss. Beim Anschauen der biografischen Angaben zu Abbas Khider lassen sich einige Übereinstimmungen mit seinem Protagonisten feststellen.

Dieses Buch ist stellenweise wie ein Tatsachenbericht geschrieben, aber insgesamt sehr nachvollziehbar und lebendig. Trotzdem berührt es mich sehr, vielleicht auch gerade deshalb. Der Hauptheld erinnert sich zurück, und zwar während er wegen Familienangelegenheiten unterwegs in den Irak ist, von wo er früher geflohen war.

Abwechslung bringen die sehr echt wirkenden Dialoge. Diese und die lebendige Erzählweise haben mich gefesselt und manchmal auch tief betroffen gemacht. Besonders plakativ fand ich dabei, wie er erzählt, dass er auf seiner Flucht zwischendrin in Griechenland im Gefängnis saß und das im Vergleich zu anderen Dingen, die er erlebt hat, als eine der eher angenehmen Erfahrungen sieht.

Einen scharfen Kontrast, der auch ein gewisses Maß an Humor beinhaltet, bilden Saids Begegnungen mit der Bürokratie und Rechtssprechung in Deutschland. Auch das ist für ihn nicht einfach, obwohl er dabei wegen seiner Bildung und Sprachkenntnisse schon einen gewissen Vorteil gegenüber anderen Schicksalsgefährten hat.

Über die Geschichte, dass er während seiner Studentenzeit keine Bücher aus der Staatsbibliothek ausleihen, aber sie dennoch im Lesesaal lesen durfte, musste ich schmunzeln.

Dieser Roman, der so unangestrengt daherkommt, vor allem ohne Bitterkeit, schafft es, den Horizont zu erweitern. So etwas sollte jeder einmal lesen.

Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen.

Details

Autor:Abbas Khider
Titel:Der Erinnerungsfälscher
Genre:Literatur
Verlag:Hanser
Erscheinungsjahr:2022
Seitenanzahl:128
ISBN:9783446272743

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