Das Heiligenspiel | Ursula Niehaus

Solider Mittelalter-Roman.

Die Hauptheldin dieses Romans ist Anna Laminit. Dass sie zur Heiligen erklärt wird, beruht auf einem Zufall und auf der Naivität ihrer Mitmenschen. Angeblich benötigt sie außer der Hostie innerhalb der kirchlichen Messe kein Essen. Aber dahinter steckt nichts weiter als eine vorübergehende Magenverstimmung. Allerdings erkennt Anna recht schnell, dass das Heiligsein viele Vorteile hat und so wahrt sie den Schein, indem sie nur noch heimlich Nahrung zu sich nimmt.

Was ich an der Geschichte mag

Die Idee finde ich prima für einen historischen Roman. Außerdem hat es diese Anna Laminit wahrscheinlich tatsächlich gegeben. Die Autorin hat sehr ausführlich recherchiert. Das lässt sich aus den Danksagungen zu diesem Buch und dem Nachwort erkennen. Ich stelle mir vor, wie begeistert die Autorin beim Zusammentragen der historischen Puzzleteile war und wie sie die Lücken mit viel Fantasie gefüllt hat.

Die Geschichte ist sehr gut vorstellbar erzählt. Ich mag überhaupt historische Romane sehr gern, sowohl aus dem Mittelalter als auch aus anderen Epochen. So etwas ist beim Lesen wie Urlaub in einer Welt, die es nicht mehr gibt.

Meine kritischen Anmerkungen

Mag sein, dass ich zu viel von diesem Buch erwartet habe. Vielleicht bin ich in Bezug auf historische Romane inzwischen zu verwöhnt. Aber ein paar Dinge hätten meiner Meinung nach besser umgesetzt werden können.

Dieses Buch ist nach meinem Empfinden zwar ein solider historischer Roman, sticht in diesem Genre aber nicht besonders hervor. Er hat mich unterhalten aber mehr auch nicht. Ich kann nicht sagen, dass er mich derart gefesselt hat, dass ich ihn am Liebsten in einem Rutsch durchgelesen hätte. Immer mal ein paar Seiten zur Entspannung waren OK.

An vielen Stellen hätte eine Kürzung dem Buch gut getan. Zum Beispiel gab es Figuren und Szenen, die ich als überflüssig ansehe. Auch die Landschaftsbeschreibungen sind nach meinem Geschmack einen Tick zu ausschweifend. Etwa 80 bis 85 Prozent des Seitenumfangs hätten völlig ausgereicht und es wahrscheinlich insgesamt verbessert.

Auch gab es keine überraschenden Wendungen. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, alles schon vorausgeahnt zu haben. Auch Annas Gegner fand ich zu simpel gestrickt. So war für mich immer sofort zu erkennen, wer ihr freundlich und wer ihr feindlich gesonnen sein würde. Schon an der Beschreibung der Gesichtszüge wurde das festgemacht. Hier hätte ich mir etwas mehr Kreativität gewünscht und vielleicht den einen oder anderen Knalleffekt.

Fazit

Die Geschichte liest sich ganz gut und ist auch interessant. Aber mehr als leichte Unterhaltungslektüre für schnell mal zwischendurch, die man aber genauso schnell wieder vergisst, ist es nicht.

Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen.

Details

Autor:Ursula Niehaus
Titel:Das Heiligenspiel
Genre:Historische Romane
Verlag:Knaur Taschenbuch
Erscheinungsjahr:2011
Seitenanzahl:576
ISBN:9783426636176

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