Das Geheimnis des Duke | Stefanie Neeb

Eine neue Art von Spielbuch (Gamebuch)

Ich mag Spielbücher sehr gerne, sofern eine tolle Idee dahintersteckt, das Ganze abwechslungsreich ist und gut funktioniert.

Diese Art von Spielbuch – ein Escape-Roman – ist neu für mich. Deshalb war ich besonders gespannt darauf, habe es durchgespielt und regelrecht „auseinandergenommen“.

Das mit dem Auseinandernehmen war unumgänglich. Aber eins nach dem anderen.

Was sind die Besonderheiten dieses Spielbuches?

Die Gestaltung

Es ist im Querformat gestaltet und wirkt recht aufwendig. Das Wort „Duke“ auf dem Cover ist in Goldschrift gehalten. Wenn man durchblättert, sieht man zunächst Seiten voller Bilder.

Mein erster Eindruck: Etwas kitschig, aber hier passend zum Thema. Auf jeden Fall zieht sich dieser Stil konsistent durch.

Das Spielsystem

Die Inhalte (Texte) befinden sich jeweils zwischen zwei Seiten, welche am Rand zusammenhängen und auseinanderzutrennen sind. Auf dem folgenden Bild ist das zu sehen.

Foto von einer Beispielseite und dem zusammenhängenden Seitenrand, der irgendwann aufgetrennt werden muss
Quelle: eigenes Foto

Es kommt hier darauf an, sich in der richtigen Reihenfolge durch das Buch zu „bewegen“. Durch Rätsel muss man herausfinden, wo es jeweils weitergeht, d. h. welche Stelle als nächstes aufzutrennen ist.

Es steht dabei zwar „zum Aufschneiden“, aber eine Schere ist nicht nötig, denn die Verbindungen sind perforiert, so dass sie sich sauber aufreißen lassen.

Die Rätsel bzw. Knobelaufgaben werden am Ende jedes Abschnitts gestellt. Dazu werden drei Lösungen angeboten. Zu jeder Lösung ist ein Bildausschnitt zugeordnet. Man muss nun den richtigen Bildausschnitt im gesamten Buch suchen und hat dann die Seite, deren Außenfalz als nächstes aufzutrennen ist, usw. So gelangt man durch das ganze Buch. Die falschen Lösungen haben Bildausschnitte, die nicht im Buch vorkommen.

Insgesamt sind es 24 abwechslungsreiche Aufgaben. Von Dekodierung, Schach, Sudoku, logischem Ausschließen über „Hölzchenspiele“ ist einiges dabei.

Mein Eindruck von den Aufgaben und Rätseln

Angegeben ist hinten auf dem Buch ein Schwierigkeitsgrad 4 von 5. Also hatte ich schwierige Knobeleien erwartet. Die ersten Aufgaben empfand ich als etwas zu einfach für diesen Schwierigkeitsgrad und ich war ein wenig frustriert, weil ich für das Suchen des jeweiligen Bildausschnittes länger gebraucht hatte als für die Lösung des Rätsels.

Zum Glück wurden die Aufgaben im Laufe des Buches etwas kniffliger. So empfinde ich den Schwierigkeitsgrad 4 von 5 rückblickend als insgesamt angemessen. Die Suche nach den richtigen Bildausschnitten ging mir nach und nach auch schneller von der Hand. Aber das ist kein Wunder, denn es blieben ja von Aufgabe zu Aufgabe immer weniger Seiten übrig.

Die Knobelaufgaben sind ebenfalls sehr aufwendig gestaltet, allerdings zum Teil ziemliches „Augenpulver“: Einiges hätte deutlicher dargestellt werden können, ohne die Rätsel dadurch zu vereinfachen.

Am Anfang jeder Seite, auf der es mit der Geschichte weitergeht, wird zuerst die Lösung zum vorigen Rätsel genau erklärt. Die Erklärung ist in die Handlung eingebaut, z. B. in Dialoge oder Gedanken der Personen. Das finde ich gut.

Mein Eindruck von Geschichte und Schreibstil

Schwurbelig und schwulstig! Das hätte viel interessanter geschrieben werden können.

Wäre es kein Gamebuch mit Knobelaufgaben, hätte ich es nach zwei Seiten weggelegt.

Ein Beispiel, dass es besser geht, ist folgendes:

Die Akademie der Zeitenwächter (Adventure Games Books) | Daniel Bleckmann

Die Sache mit dem „Auftrennen“ der Seiten

Hinten auf dem Buch steht „Unser Versprechen für mehr Nachhaltigkeit: Klimaneutrales Produkt“.

Das ist schön und gut. Aber an diesem Beispiel sieht man, was so etwas wert ist.

Ich bin ein großer Fan davon, Bücher nicht im Regal verstauben zu lassen, sondern weiterzugeben.

Dieses Buch ist jedoch durch einmal Lesen „verbraucht“. Vielleicht sollte hier noch einmal über die Sache mit dem Aufschneiden nachgedacht werden. Eine wieder verschließbare Lösung, z. B. durch Auffalten anstelle von Auftrennen, wäre sicher nachhaltiger.

Mein Fazit

Insgesamt eine sehr schöne Idee, allerdings mit Verbesserungspotenzial.

Für die Idee, die aufwendige Gestaltung und die Sammlung der recht abwechslungsreichen Knobeleien gibt es von mir drei Sterne.

Für meine genannten Kritikpunkte (schwurbeliger, etwas langweiliger Text, verbesserungswürdige Darstellung der Rätsel und fehlende Nachhaltigkeit) ziehe ich zwei Sterne ab.

Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen.

Details

Autor:Stefanie Neeb, Toni Hamm
Titel:Das Geheimnis des Duke
Genre:Regency-Escape-Roman (Gamebuch, Spielbuch)
Verlag:arsEdition
Erscheinungsjahr:2023
Seitenanzahl:116
ISBN:9783845853154

Das Buchcover im Titelbild gehört dem Verlag arsEdition.

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1 Kommentar zu „Das Geheimnis des Duke | Stefanie Neeb“

  1. Hallo liebe Petra,
    ich hätte beim ersten Blick aufs Buch nicht vermutet, dass es sich hierbei um ein Spielebuch handelt. Dieses Genre kannte ich in diesem Format noch nicht. Auch die Aufmachung mit den auftrennbaren Seiten war mir neu. Ich habe allerdings auch bislang noch kein Escaperoomspielebuch gespielt.

    Deine Rezension habe ich mit großem Interesse gelesen. Ich kann deinen Kritikpunkt, dass man das Buch nur einmal spielen kann und dass du das schade findest, sehr gut nachvollziehen. Da hätte ich im ersten Moment nicht drüber nachgedacht. Nach dem Spielen hätte mich das aber vermutlich auch sehr gestört.

    Ich habe schon mal ein Escaperoom Spiel (Brettspiel, wenn man es denn so nennen kann) gespielt und bin dabei hemmungslos an den Rätseln gescheitert, daher wirken für mich einfachere Aufgaben jetzt im ersten Moment gar nicht so abschreckend. Aber ich verstehe, dass es frustrierend ist, wenn man alles zu schnell löst.

    Ich danke dir für die Vorstellung dieses – für mich – noch sehr neuen Formates.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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