Rezensionen

Ein Präsident verschwindet | Ralf Langroth

50er-Jahre-Politthriller, sehr spannend!

Dieser Politthriller hat historische Hintergründe, und zwar das mysteriöse Verschwinden und Wiederauftauchen von Otto John, dem ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes. Die Geschichte spielt 1954 im geteilten Berlin und wird aus der Sicht von Phillip Gerber, Kriminalhauptkommissar beim BKA, erzählt. Gerber ermittelt in dem Fall.

Zwar ist der Roman ausgedacht, aber es könnte sich so zugetragen haben. So werden historische Geschehnisse lebendig und begreifbar gemacht und man erhascht einen Blick auf die Zusammenhänge, die ganz schön kompliziert sind.

Mrs Potts‘ Mordclub und der tote Nachbar | Robert Thorogood

Noch schlauer und lustiger als Miss Marple.

Judith Potts ist professionelle Kreuzworträtselautorin und mit ihren 77 Jahren äußerst fit. Sie ist unheimlich neugierig und lässt sich nicht davon abbringen, dass ihr Nachbar ermordet wurde. So wird sie selbst zur Hobbyermittlerin in diesem und weiteren Morden und sucht sich dabei Unterstützung von zwei Frauen, mit denen sie sich anfreundet. Das sind Becks Starling, die Frau des Pfarrers, und Suzie Harris, eine Hundesitterin.

Es muss nicht immer Labskaus sein | Christiane Franke & Cornelia Kuhnert

Toller Regionalkrimi, den ich kaum aus der Hand legen konnte.

Dieser Krimi spielt in Ostfriesland. Er gehört zu einer Reihe und ist schon der neunte Teil. Aber jedes Buch daraus ist in sich abgeschlossen, so konnte ich dieses genießen, ohne die vorangehenden zu kennen. Was sich durch alle zieht, sind die Schauplätze und die Personen. Alles spielt in Neuharlingersiel und Umgebung.

Die wichtigsten Personen sind zweifellos Rudi, der Dorfpolizist, Rosa, die Grundschullehrerin, und Henner, der Postbote. Diese drei sind es, die am Ende die Kriminalfälle auflösen. Außerdem kommen immer wieder die gleichen Leute aus deren Verwandten- und Bekanntenkreis vor.

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße | Maxim Leo

Helden werden von anderen erst zu Helden gemacht

Michael Hartung, der Hauptheld dieser Geschichte, ist sympathisch phlegmatisch. Er ist ein ruhiger Zeitgenosse, der selbst in schlimmer finanzieller Lage nicht die Fassung verliert. Den muss man von Anfang an einfach mögen.

Anstelle, dass sich Michael über sein finanzielles Problem, das wirklich schon seine Existenz bedroht, aufregt oder damit beginnt, eine Lösung zu suchen, lenkt er sich lieber ab. Er schaut einfach einen alten Film. Er ist einfach ein Verlierer und sieht sich selbst auch so: als Verlierer der Technologie. Das ist nicht verwunderlich, denn er ist Videothekeninhaber in der heutigen Zeit der Streaming-Dienste.

Dreifach | Ken Follett – im öffentlichen Bücherschrank gefunden

Ich habe in einem öffentlichen Bücherschrank gekramt. Das mache ich ab und zu gerne. So etwas gibt es in meiner Nähe – untergebracht in einer alten Telefonzelle. Auf der Tür steht, wie es funktioniert: 1. Nimm ein Buch. 2. Bring ein Buch. Das ist alles, ein Ort zum Büchertauschen also.

Man kann dort Bücher für andere hineinstellen oder auch einfach Bücher herausnehmen. Ganz wie man möchte. Ich habe dort schon so manches Schätzchen gefunden, z. B. „Dreifach“ von Ken Follett. Es stammt bereits von 1979 bzw. 1980 in der deutschen Übersetzung. Das abgebildete Buch ist schon die 18. Auflage von 1994. Hier ist meine Rezension dazu:

Der Erinnerungsfälscher | Abbas Khider

So etwas sollte jeder einmal lesen.

Die Geschichte um Said Al-Wahid ist zwar erfunden, aber sie wirkt so echt, dass darin vieles aus der Realität des Autors stecken muss. Beim Anschauen der biografischen Angaben zu Abbas Khider lassen sich einige Übereinstimmungen mit seinem Protagonisten feststellen.

Dieses Buch ist stellenweise wie ein Tatsachenbericht geschrieben, aber insgesamt sehr nachvollziehbar und lebendig. Trotzdem berührt es mich sehr, vielleicht auch gerade deshalb. Der Hauptheld erinnert sich zurück, und zwar während er wegen Familienangelegenheiten unterwegs in den Irak ist, von wo er früher geflohen war.

Unter den Linden 6 | Ann-Sophie Kaiser

Historischer Frauenroman nicht nur für Frauen.

Heute ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen an der Uni studieren. Damals, zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, war es das nicht und musste erst durchgesetzt werden.

Die drei Protagonistinnen, die ihren Drang nach Wissen gemeinsam haben, aber ansonsten sehr unterschiedlich sind, lernen wir gleich am Anfang in lebendigen Szenen kennen. Sie treffen zunächst zufällig aufeinander und ihre Wege kreuzen sich danach immer wieder.

Lise Meitner, die spätere Physikerin, ist eine von ihnen, die anderen beiden hat sich die Autorin ausgedacht. Anni ist ein Dienstmädchen, das auf dem Weg zu einer neuen Stelle ist. Hedwig ist eine junge verheiratete Frau, die in einem gutbürgerlichen Haushalt in einer recht lieblosen Ehe lebt.

Abschied von der Heimat | Gabriele Sonnberger

– Eine böhmische Familiensage –

Schön zu lesen und größtenteils spannend.

Die kleine Erika wird aus dem Rheinland zu ihrer Tante nach Hohenfurth in Böhmen geschickt. Es ist Ende der 1920er Jahre. Zu Hause bei ihren Eltern und Geschwistern haben sie kaum etwas zu essen. Bei ihrer Tante Mimi soll Erika besser versorgt werden als zu Hause. Schließlich bleibt sie länger als geplant und verbringt ihre ganze Kindheit und Jugend dort. Sie wird zu einer selbstbewussten und mutigen jungen Frau mit großem Gerechtigkeitssinn.

Das Therapiezimmer | Aimee Molloy

Fein prickelnder Psychothriller für Alles-Leser.

Dieser Psychothriller ist irgendwie feinsinnig. Die „unzuverlässige Erzählstimme“ macht diesen Roman aus. Genauer kann ich das nicht erklären, denn dann würde ich spoilern. Wer das Buch liest, bekommt jedoch mit, was damit gemeint ist, und wird wie ich darüber staunen.

Therapiesitzungen, die jemand belauscht! Das ist ein Grundthema dieses Buches. Ziemlich gruselig, aber mal ganz ehrlich: Wer würde bei so etwas nicht gern einmal Mäuschen spielen? Aber es geht nicht nur darum. Es gibt noch etliche Überraschungen.

Klammerblues um zwölf | Carla Berling

Witzig und locker!

Das ist ein Gute-Laune-Buch. Das merkt man schon am Klappentext. Fee, die eigentlich Felicitas heißt, ist Ende fünfzig und ziemlich am Ende. Sie hat nach einem Schicksalsschlag fast so etwas wie eine Depression. Doch dann stürzt sie völlig unerwartet in eine völlig neue Geschichte, die recht turbulent wird.

Der Roman beginnt mit einer komischen Szene. Diese liegt jedoch ziemlich in der Mitte der Handlung. Dann wird beschrieben, wie es dazu kam und wie es danach weitergeht, alles aus der Sicht von Fee. Ich mag es, wenn ein Roman so aufgebaut ist. Es ist fast wie ein Drehbuch für einen Film. Mein Kopfkino hat jedenfalls einen dazu gezeigt.