Schwestern. Trotz allem | Max Moor

Dieser Roman gehört zu meinen diesjährigen Lesehighlights. Ich hatte zunächst kurz in eine Leseprobe hineingeschaut und war sofort gefesselt.

Ich weiß gar nicht so recht, wo ich diesen Roman einordnen soll. Ein wenig hat er etwas von historischem Roman, dann aber doch viel von einem Schicksalsroman.

Aber wie immer: zuerst worum es geht, dann meine persönlichen Eindrücke.

Die Kurzbeschreibung

Das ist der Text vom Verlag:

Ein mitreißender Schicksalsroman über weibliche Selbstbehauptung in einer Zeit, in der es dafür noch kein Wort gab. Tief berührend und mit großer Sprachgewalt erzählt Bestsellerautor Max Moor von drei Schwestern, die einander verlieren und doch ein Leben lang nie ganz loslassen.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges verliert Gerti alles: den Vater, der verschwindet, die Mutter, die stirbt, und die Schwestern, die ins Heim verstoßen werden. Allein bleibt sie bei den Großeltern zurück. Nur drei Knöpfe, abgerissen von einer alten Kletterweste, gedacht als Glücksbringer für jede von ihnen, erinnern Gerti ihr Leben lang an die geliebten Schwestern.

Als junge Frau lernt sie den verheirateten Albert kennen und verliebt sich in ihn. Er liebt auch sie, verlässt sie jedoch wieder, kehrt zurück und verschwindet immer wieder in ferne Länder. Gerti bleibt ihm treu. Zwei Kinder entstehen aus dieser schwierigen Liebe, die sie allein großziehen muss. Dem Argwohn der Nachbarn ausgesetzt und der Gefahr, durch die Jugendwohlfahrt die Kinder jederzeit zu verlieren. Mit Stolz und ihrer Sturheit meistert Gerti das Leben, getragen von ihrem größten Wunsch: einer eigenen Familie.

Rudi, schön und glamourös, möchte nur eines: ihre Kindheit im Heim vergessen. Sie jagt von Mann zu Mann, von Ehe zu Ehe. Stets begleitet von dem Gefühl, niemandem zu genügen, kämpft sie gegen sich selbst.

Hansi, bald von einem liebevollen Ehepaar adoptiert, ist die rastlose Jüngste, die sich weder durch Kind noch Mann gebunden fühlen möchte. Sie liebt ihre Unabhängigkeit, macht ihre Lehre als Hotelkauffrau und schließlich Karriere. Und trotzdem bleibt etwas, das fehlt.

Meine Eindrücke

Jedes Mal, wenn ich in diesem Buch gelesen habe, war ich wie mitten im Geschehen und habe mich nicht nur in die Rolle des jeweils Erzählenden versetzt gefühlt, sondern auch Verständnis für die entsprechende Person aufbringen können. Das hat Max Moor durch seinen lebendigen und einfühlsamen Schreibstil geschafft.

Die Erzählperspektive wechselt zwischen den drei Schwestern Gerti, Rudi und Hansi, und Gertis Partner Albert. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Gerti und Albert. Das Besondere daran besteht darin, dass die Albert-Kapitel mit „Aus Alberts Schreibmappe“ überschrieben sind. Darin schreibt Albert sein Erleben der Dinge in Briefform an einen befreundeten Pfarrer. Diese Briefe werden nicht abgeschickt, sie dienen als Tagebuch. Aber dadurch bekommen die Inhalte nach meinem Empfinden irgendwie eine besondere Bedeutung.

Manche Handlungsstränge sind erschütternd bis grausam. Trotzdem bleibt zwischendrin genügend Raum für feinen Humor. So musste ich beim Lesen öfter schmunzeln. Das Ganze spielt in Österreich. Die typisch österreichischen Ausdrücke, die ganz automatisch darin einfließen, finde ich zauberhaft. Trotzdem gibt es sehr erschütternde Szenen über Missbrauch. Ich könnte mir vorstellen, dass dafür eine Trigger-Warnung angebracht wäre.

Insgesamt spannt die Geschichte – oder besser gesagt die Geschichten – einen mitreißenden Handlungsbogen, der alles zusammenführt und keine offenen Enden lässt. So mag ich das.

Fazit: Ein großartig konzipierter und meisterhaft erzählter Roman. Gerne mehr von so etwas!

Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen.

Details

Autor:Max Moor
Titel:Schwestern. Trotz allem
Genre:Literatur
Verlag:dtv
Erscheinungsjahr:2026
Seitenanzahl:560
ISBN:978-3-423-28568-1

Das Buchcover im Titelbild gehört dem Verlag dtv.

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