Irgendwo habe ich gelesen oder gehört, die Autorin Petra Hammesfahr sei die deutsche Patricia Highsmith. Letztere war und ist als Meisterin der Beklemmung bekannt.
Sowohl bei Patricia Highsmith als auch bei Petra Hammesfahr gibt es solche typischen Szenen, in denen alles locker leicht zu sein scheint, aber die die Leser*innen das Unheil bereits erahnen lassen.
Worum geht es in diesem Roman?
Zunächst die Kurzbeschreibung vom Verlag:
Dein Leben ist perfekt. Doch er lauert schon im Dunklen.
Keiner weiß, dass es ihn gibt. Niemand hat die Zeichen erkannt, niemand die Frauen gefunden. Frauen, die seiner Meinung nach Parasiten sind. Die sich von ihren Männern aushalten lassen und diese betrügen. Auch Marlene muss nicht arbeiten. Ihr Mann ist erfolgreicher Unternehmensberater, sie hat zwei wohlgeratene Kinder, ein Haus – kurz: alles, was man braucht. Nur das Gefühl, gebraucht zu werden, fehlt ihr oft. Nur zu gerne hilft Marlene daher einem alten Freund aus der Klemme. Kurz darauf erwacht sie in totaler Finsternis …
Meine Eindrücke
Das Buch beginnt aus der Sicht des „Frauenjägers“ und motiviert seine Taten. Er beschreibt, wie er seine Mutter erlebt, die seinen Vater andauernd betrügt, während er sich für die Familie kaputtschuftet und relativ jung stirbt, wonach die Mutter auch noch eine gute Witwenrente kassiert. Der Junge entwickelt dadurch einen Hass auf seine Mutter, der ihn später zum Frauenjäger werden lässt.
Das bleibt die einzige Szene aus der Sicht des Mörders.
Danach wechselt das Geschehen zwischen zwei Zeitebenen ab. Die erste ist die Welt, in der Marlene, die Hauptfigur lebt, die zweite sind ihre Erlebnisse ab dem Zeitpunkt, als sie sich in der Dunkelheit an einem bedrohlichen, unbekannten Ort wiederfindet.
Jeder Wechsel wird mit einem Cliffhanger beendet. Die Kapitel sind kurz. Alles wird in Action beschrieben, ohne lange Schilderungen von Landschaften oder Personen. Das ist genau das, was eine Story ausmacht, die sich „gut liest“.
Ich wurde damit gleich animiert zu mutmaßen, wer von den handelnden Personen der Typ vom Anfang sein könnte. Das Ganze ist so geschrieben, dass ich meine Meinung während der Lektüre immer mal wieder geändert habe.
Neben Marlene gibt es eine Menge anderer handelnder Personen. Da sind zunächst ihre drei Freundinnen, mit denen sie schon früher unzertrennbar war. Sie haben auch vier befreundete Jungs kennengelernt und so haben sich vier Ehepaare ergeben. Das empfand ich als ein wenig zu sehr konstruiert, wobei es mich aber nicht sonderlich gestört hat.
Es war nur ganz schön schwierig, von Anfang an bei den vielen Personen durchzusehen, die so ziemlich alle auf einmal eingeführt wurden. Dann kamen auch noch die Nachnamen und einige Kinder dazu. Noch mehr Namen! Aber es war nicht so schlimm, mir nicht sofort alle zu merken, denn nach und nach hat man einige genauer kennengelernt und dann haben sie sich besser eingeprägt.
Zunächst fand ich das Hin- und Her zwischen den Zeitsträngen interessant: zum einen die Alltagsrealität von Marlene und deren Freundinnen, zum anderen ihre Gefangenschaft, aus der sie einen Ausweg sucht.
Aber ungefähr ab der Hälfte des Buches war ich plötzlich ein wenig genervt. Die bedrohliche Szenerie wirkte mehr und mehr wie ein Escape-Room. Als diese Kapitel dann wieder mit den üblichen Cliffhangern endeten, habe ich oftmals nur gedacht: Ja, gut, jetzt hat sie wieder etwas gefunden. Klar, damit gewinnt sie wieder eine neue Erkenntnis. Wir werden es bald sehen.
Der andere Strang ging auch nicht so richtig voran, obwohl sich dort schon dramatische Entwicklungen abzuzeichnen begannen.
Es war zwar weiterhin spannend konstruiert, aber so richtige Knaller-Twists habe ich nicht feststellen können.
In meinen Augen hätte ein wenig Straffung diesem Werk gutgetan. Zum Ende hin gab es nach meinem Geschmack auch noch viel zu viel Hin- und Her, bis endlich die Auflösung kam.
Fazit
Insgesamt tolles Konzept und sehr gut geschriebene Story, aber vieles hätte meiner Meinung nach gestrichen werden können, ohne dass es geschadet hätte.
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen.
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Details
| Autor: | Petra Hammesfahr |
| Titel: | Der Frauenjäger |
| Genre: | Krimis und Thriller |
| Verlag: | Rowohlt Taschenbuch |
| Erscheinungsjahr: | 2012 |
| Seitenanzahl: | 432 |
| ISBN: | 978-3-499-25636-3 |
Das Coverbild im Titel gehört dem Rowohlt Verlag.
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