Übersetzt von Dirk von Gunsteren.
Nimm das schlimmste Industriebrot, das du findest, irgendein labberiges Toastbrot, und dann schmiere klebrig süße Erdnussbutter darauf.
So ist es in etwa, wie die Erdnussbutter-Sandwiches gemacht werden, die diejenigen Kinder kostenlos in der Schule bekommen, die kein Mittagessen bezahlen können, und für die das Formular für kostenloses Essen nicht ausgefüllt wurde. Das kommt im Roman „Demon Copperhead“ von Barbara Kingsolver vor.
Im Literatur-Podcast „Eat.READ.Sleep“ haben sie genau solche Sandwiches gegessen. Dort stellen sie tolle Bücher vor und bereiten immer irgendetwas zu Essen aus einem davon zu. Es ist schon etwas länger her, da ging es um diesen Roman.
Einer der Podcaster, Daniel Kaiser, ist besonders begeistert von dieser Autorin und erwähnt ihre Bücher immer wieder. So musste ich dieses Buch nun endlich auch einmal lesen und wurde nicht enttäuscht.
Es ist eine Art moderner „David Copperfield“-Roman.
Die Kurzbeschreibung vom Verlag
Ein Trailer in den Wäldern Virginias. Das Land der Tabakfarmer und Schwarzbrenner, der Hillbilly-Cadillac-Stoßstangenaufkleber an rostigen Pickups, aufgegeben von sämtlichen Superhelden und dem Rest der Nation. Hier kommt Demon Copperhead zur Welt – die Mutter ist noch ein Teenie und frisch auf Entzug, der Vater tot. Ein Junge mit kupferroten Haaren, großer Klappe und einem zähen Überlebenswillen, bei allem, was das Leben für ihn bereithält: Armut, Pflegefamilien, Drogensucht, erste Liebe und unermesslichen Verlust. Es ist seine Geschichte, erzählt in seinen Worten, unbekümmert, vorwitzig, von übersprudelnder Lebenskraft. Ein mitreißender Roman über ein Leben auf Messers Schneide, in dem in jedem Moment Hoffnung aufscheint.
Meine Eindrücke
Alles ist aus der Sicht des Protagonisten geschrieben. Ich war zunächst skeptisch, aber schon nach den ersten Seiten war ich „voll drin“ und konnte nicht anders, als das ganze Buch zu lesen.
Zum Glück hatte ich es als E-Book aus der Bibliothek ausgeliehen, denn bei diesem Wälzer von über 800 Seiten wäre das Lesen in Kraftsport ausgeartet. Aber ich habe alle Seiten als spannend und lesenswert empfunden.
Die Handlung beginnt in einer armen Trailersiedlung mit Demons Geburt. Seine Mutter ist da erst achtzehn und drogensüchtig, sein Vater tot. Die Nachbarsfamilie, ältere Leute, kümmern sich rührend und sind so etwas wie Ersatzfamilie. Allerdings haben sie auch ihre eigenen Pakete zu tragen und können Demon nicht aufnehmen, als es hart auf hart kommt.
Er kommt zu verschiedenen Pflegeeltern, in lieblose Umgebungen, wird einfach untergebracht und muss zum Teil Arbeiten erledigen, zu denen kein Kind gezwungen werden sollte. Die Mitarbeiterinnen vom Jugendamt sind überfordert und wirken resigniert.
Aber es gibt auch tolle Menschen, Erlebnisse und Begegnungen. Es ist ein Auf und Ab. Da das alles aus seiner Sicht geschildert ist und dabei einen ziemlich abgeklärten Eindruck macht, weiß man ja, dass er irgendwie „davonkommen“ wird und hat immer die Hoffnung, dass am Ende alles gut wird.
Es ist ein umfassender und lebendiger Blick in fremdartige Lebensverhältnisse. So etwas macht mir meistens großen Spaß.
Insgesamt mag ich auch die Schreibe von Barbara Kingsolver sehr gern, die durch den Übersetzer Dirk von Gunsteren sehr gut ins Deutsche übertragen wurde.
Alles ist so geschrieben, dass ich direkt in den Kopf des Protagonisten schauen kann und mitfühle. Gefühle gibt es dabei eine Menge und auch einiges zum Schmunzeln.
Das Buch hat mich sehr begeistert und ich kann es allen, die sich an solche dicken Bücher von über 800 Seiten herantrauen, nur empfehlen.
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen.
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Details
| Autor: | Barbara Kingsolver |
| Titel: | Demon Copperhead |
| übersetzt von: | Dirk van Gunsteren |
| Genre: | Literatur |
| Verlag: | dtv |
| Erscheinungsjahr: | 2024 |
| Seitenanzahl: | 864 |
| ISBN: | 978-3-423-28396-0 |
Das Buchcover im Titelbild gehört dem Verlag dtv.
Der Podcast
Den erwähnten Bücherpodcast Eat.READ.Sleep findest du in der ARD-Audiothek.
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