Aus dem Englischen übersetzt von Dietmar Schmidt
Von Anfang an war mir klar: Diese Geschichte ist irgendwie anders.
Das meine ich im positiven Sinn.
Wie kündigt der Verlag das an und was sind meine Eindrücke nach dem Lesen?
Die Kurzbeschreibung vom Verlag
Wo ist Laura?
Der Aufzug klemmt, die Kaffeemaschine tropft, im Büro stapeln sich die Beschwerden, aber niemand tut etwas. Laura Clark ist weg. Einfach so. Ihr Ehemann Mark kämpft mit Handwerkern, die sein Haus überrennen, Tochter Sian sucht verzweifelt in Wäschebergen nach Antworten, und im Büro geht alles drunter und drüber. Niemand, nicht mal ihre beste Freundin, weiß, wo Laura abgeblieben ist. Nur langsam kommt Lauras Umfeld ein unerhörter Gedanke: Könnte ausgerechnet Laura, die sich immer aufopferungsvoll um alles und jeden gekümmert hat, ihr Leben, ihre Familie und ihre Freunde einfach hinter sich gelassen haben?
Wenn Verschwinden die einzige Lösung ist – ein ebenso humorvoller wie nachdenklich machender Roman für alle, die zu oft an andere denken und zu selten an sich selbst.
Meine Eindrücke: Wie habe ich den Roman erlebt?
Das Buch beginnt damit, dass der Inhalt zweier Postkarten gezeigt wird. Diese Karten haben sich Laura und Ruth gegenseitig geschickt, und zwar 1999. Über dem jeweiligen Text ist beschrieben, was auf der Postkarte zu sehen ist.
Ruth ist die beste Freundin von Laura, wie sich später beim Lesen herausstellt. Postkarten zwischen den beiden kommen immer mal wieder vor. Sie dokumentieren die Vergangenheit auf sehr anschauliche und angenehm kurze Art und Weise.
Ansonsten geht es gleich ziemlich lebendig los, mit einem Kapitel das im Büro spielt, wo Lauras Abwesenheit auffällt. Das ist aus der Sicht von Lauras Kollegen Ian geschrieben. Dann folgen Kapitel von Sian, Lauras Tochter, den Nachbarn aus der Wohngegend, Lauras Ehemann Mark und ihrer Freundin Ruth.
Alle haben Laura immer für selbstverständlich hingenommen und nun fällt es auf, dass sie fehlt. Laura war immer für alle da, hat alles Mögliche ohne zu murren erledigt und ohne dafür jemals ein Dankeschön zu bekommen oder überhaupt angesehen zu werden. Außerdem hat sie dann noch Energie für nette kleine Gesten, wie Kuchen backen für andere, übriggehabt. Sie hat allen um sich herum so ziemlich alles Unangenehme abgenommen.
Nun ist sie weg und es entstehen dadurch sehr kuriose und zum Teil lustige Situationen. Beispiel: Der Hund hätte Gassi gehen müssen und hat nun in die Küche gepinkelt. Das stinkt und Mark sagt Tochter Sian, sie soll einen Mopp holen, um das wegzuwischen. Diese entgegnet mit Verwunderung derart: Wir haben einen Mopp?
Im Büro schieben sich die Kollegen die unangenehmen Aufgaben, die sonst Laura übernommen hatte, immer hin und her und zeigen dabei viel Geschick. Bezeichnend ist auch die wiederkehrende Aussage: „Das ist zu viel für einen“. Dabei handelt es sich lediglich um einen Teil der Arbeit, die Laura übernommen hatte.
Lauras Tochter und Ehemann glauben, dass sie zur Beerdigung einer Tante gereist ist, weshalb sie zunächst keine Vermisstenanzeige aufgeben. Doch dann meldet sich jemand von der Familie, woraus hervorgeht, dass Laura dort überhaupt nicht war.
Dann geht die Suche los. Selbst die Polizistin, die für den Fall zuständig ist, muss dauernd den Kopf schütteln.
Das Ganze ist sehr lebendig und immer wieder zum Schmunzeln. Irgendwie ist gleich klar, dass es kein schockierendes, böses Ende geben wird. Das würde nicht passen. Trotzdem war ich gespannt auf das Ende und wurde nicht enttäuscht.
Der Autorin ist hier ein Roman gelungen, in dem die Hauptheldin selbst fast nur durch die Betrachtung von anderen vorkommt. Das ist außergewöhnlich und hat mir gefallen.
Die vielen anderen handelnden Personen, die nach und nach auftreten, erfordern etwas Konzentration, um sie alle auseinanderzuhalten. Ich habe das geschafft, aber ich kann mir vorstellen, dass so manche Leser anfangs damit ihre Probleme haben.
Im Laufe der Zeit habe ich die einzelnen Akteure jedoch immer näher kenngelernt. Bei fast allen konnte ich eine Entwicklung beobachten, wie sie an der Situation (Laura fehlt) gewachsen sind. Einige, z. B. Lauras Kollege Ian und ihre Tochter Sian, habe ich ins Herz geschlossen.
Mein Fazit
Das Buch hat sich für mich gut gelesen, locker leicht und stellenweise witzig. Ich empfand es jedoch nicht als süchtig machenden Pageturner. Ein wenig kam es mir fast wie lauter Kurzgeschichten mit den verschiedenen Personen als Hauptfiguren vor. Da hat es gut gepasst, zwischendurch öfter mal so eine oder zwei Geschichten zu lesen. Aber letzten Endes hat sich dann doch alles zusammengefügt. Insgesamt hat es mir Spaß gemacht.
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternen.
Details
| Autor: | Helen Russell |
| Titel: | Laura Clark ist dann mal weg |
| übersetzt von: | Dietmar Schmidt |
| Genre: | Roman, Literarische Unterhaltung |
| Verlag: | Lübbe |
| Erscheinungsjahr: | 2026 |
| Seitenanzahl: | 416 |
| ISBN: | 978-3-7577-0276-2 |
Das Buchcover im Titelbild gehört dem Verlag Lübbe.
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