Ich lese ab und zu gern Thriller und ich mag Rätsel. Was lag also näher, es mit diesem Buch zu versuchen?
Die Kurzbeschreibung
Vom Verlag wird es so beschrieben:
Vita ludus est – das Leben ist ein Spiel.
Fünf Jahre galt Esther von Dasser, die milliardenschwere Erbin des Dasser-Konzerns, als tot.
Dann taucht sie wieder auf – ausgehungert, traumatisiert und: ohne Erinnerung an das, was mit ihr geschehen ist.
Doch jemand hat sie nicht vergessen. Jemand, der sie fünf Jahre lang festhielt.
Während die Öffentlichkeit über ihre „Wiederauferstehung“ spekuliert, kehren Esthers Erinnerungen bruchstückhaft zurück – wie einzelne Teile in einem gigantischen Puzzle:
Ein verborgenes Theater.
Maskierte Zuschauer.
Codes, die entschlüsselt werden sollen.
Rätsel.
Ein atmosphärischer Psychothriller über Schuld, Manipulation und die dunkle Faszination des Entschlüsselns.
Meine Eindrücke
Es ist schwierig, diesen Thriller zu rezensieren, ohne zu spoilern. So kann ich die folgenden Anmerkungen kaum mit Beispielen untermauern, sonst würde ich zu viel verraten.
Für die Rezension eines Thrillers habe ich mir eine 7-Punkte-Checkliste überlegt. Das sind Dinge, die ich von einem Thriller erwarte:
- Er muss mich sofort packen.
- Er muss spannend aufgebaut sein, idealerweise mit schnellen Szenenwechseln, und einige Rätsel bereithalten.
- Der Schreibstil sollte klar, schnörkellos und kraftvoll sein.
- Es sollte einige Wendungen (Twists) geben, die möglichst nicht vorhersehbar sind.
- Die handelnden Personen – sowohl „Helden“ als auch „Bösewichte“ – sollten markant und interessant sein.
- Es sollte ein Ende mit Aha-Effekt geben.
- Alles sollte dabei schlüssig und logisch sein.
Diese Liste gehe ich nun durch.
Punkt 1: Muss mich sofort packen
Ja, das hat er. Ich entscheide mich ja niemals nur aufgrund des Klappentextes für ein Buch, sondern lese immer den Anfang. Nur, wenn mich dieser packt, lese ich überhaupt das ganze Buch.
Hier ist der Anfang sehr ungewöhnlich, was ein Pluspunkt ist. Es beginnt mit der Hauptheldin Esther, der superreichen Industriellentochter, die soeben einfach mal einen jungen Liebhaber umbringt und dessen Leiche beseitigt – einfach weil sie es kann. Schnell erfahren wir, dass das nicht das erste Mal war.
Ich dachte: Ach du Sch…! Aber es war zu spät. Ich war nun neugierig geworden.
Punkt 2: Spannend aufgebaut, schnelle Szenenwechsel, Rätsel
Auch das trifft zu.
Es ging dann auch recht schnell mit den oben beschriebenen Dingen weiter. Keine Angst, mehr Entscheidendes werde ich nicht verraten.
Recht schnell kamen skurrile Szenen aus Esthers Gefangenschaft und des langsamen Aufwachens in einem makaberen Spielsetting.
Es gibt immer wieder Perspektivwechsel. Den roten Faden bilden Spielzüge, als „Würfe“ bezeichnet, von jemandem, dessen Identität bis zum Schluss ein Geheimnis bleibt. Es wird schnell klar: Es ist derjenige, der hinter allem steckt.
Außerdem wird die niederländische Journalistin Marie eingeführt, die vor Esthers Verschwinden Nachforschungen in einem Fall von Raubkunst aus der NS-Zeit angestellt und dabei Esther, die sich als Kuratorin in der Kunstszene betätigte, kennengelernt hatte.
Es wechseln die Stränge der Story zwischen Esther, dem Unbekannten und Marie. Das Ganze ist sehr spannend und rätselhaft. Rätsel, die vor allem von Esther gelöst werden müssen, sind ein wesentlicher Bestandteil dieses Romans.
Punkt 3: Klarer, schnörkelloser und kraftvoller Schreibstil
Ja, der Schreibstil ist zunächst entsprechend.
In action- und gleichzeitig dialogreichen Szenen, vor allem zum Ende hin, musste ich allerdings so manchen Satz noch einmal lesen, aber das mag nicht allein am Schreibstil gelegen haben. Siehe dazu nächster Punkt.
Punkt 4: Wendungen, Twists
Twists sind die Würze eines jeden Thrillers. Dieser Thriller ist nach meinem Geschmack leider überwürzt, und zwar zum Ende hin.
Am Anfang sind noch Twist-Akzente als vereinzelte Knalleffekte gesetzt. Dadurch wirken sie besonders gut. Dann kommt ein langer Bereich, der zwar nicht uninteressant ist, aber durch den ich langsam skeptisch wurde, ob das Ganze überhaupt noch zu einem plausiblen „Knaller-Ende“ geführt werden wird.
Zum Ende hin hat mich dieser Roman dann leider etwas überfordert. Das waren gefühlt drei Twists auf jeder Seite, so dass ich kaum noch wusste, wo „oben und unten“ ist und ab einem bestimmten Punkt auch nicht mehr versucht habe, alles bis ins kleinste Detail zu verstehen und in logischen Zusammenhang zu bringen.
Punkt 5: Die handelnden Personen
Markant und interessant? Das sind sie zum Großteil. Esther ist ja schon aufgrund ihrer Vorgeschichte ziemlich „besonders“. Marie ist für mich die Sympathieträgerin, der ich die Daumen gedrückt habe. Und ich wollte natürlich gern wissen, wer der Unbekannte ist und welche Motivation ihn antreibt.
Ein paar Nebenfiguren gibt es, die meines Erachtens nicht viel zur Handlung beitragen. Ein paar könnte man der besseren Überschaubarkeit wegen einfach weglassen.
Punkt 6: Ende mit Aha-Effekt?
Das war es für mich definitiv nicht. Es war eher ein: Naja-Effekt.
Und das trotz eines Riesen-Showdowns mit nach meinem Dafürhalten zu vielen Twists am Ende.
Die letzte Szene ist dann wieder ruhiger, so wie es bei Thrillern üblich ist. Sie hat mir beim Lesen spontan den Gedanken: „Hätt ich mir ja denken können“, entlockt.
Punkt 7: Alles schlüssig und logisch?
Die Handlungsstränge führen schon zu einem Ende, das versucht, alles schlüssig zusammenzubringen und einiges zu erklären. Für mich bleiben jedoch einige Abstriche.
Unlogisch finde ich vor allem Maries wirklich taffe psychische Verfassung in dieser „Horror“-Geschichte. Das passt irgendwie nicht zu ihrer Vorgeschichte, weil sie schon für weitaus weniger in Behandlung musste. Und das hier sollte so spurlos an ihr vorbeigegangen sein? Einfach unglaubwürdig!
Innerhalb der Handlung treten einzelne Rätsel auf, aber die waren für mich nicht als ausgeklügelte Denkaufgaben wahrnehmbar, sondern als an den Haaren herbeigezogenes Etwas.
Mein Fazit
Dieser Thriller verspricht zu viel, was er dann leider nicht halten kann. Irgendwie ist der Autor übers Ziel hinausgeschossen. Twists sind zwar superwichtig für einen Thriller, aber zu viele Twists können ihn fast kaputtmachen.
Insgesamt war es spannend und auch unterhaltsam, aber am Ende hatte ich wirklich keine Lust mehr, darüber nachzudenken. Ich habe auch eine Weile gebraucht, um endlich mit dem Schreiben dieser Rezension zu beginnen.
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen.
Details
| Autor: | Mick Saunter |
| Titel: | Rätsel |
| Genre: | Thriller |
| Verlag: | Empire-Verlag |
| Erscheinungsjahr: | 2026 |
| Seitenanzahl: | 400 |
| ISBN: | 9783690282093 |
Das Cover im Titelbild gehört dem Empire-Verlag.

