Aus dem Niederländischen übersetzt von Barbara Heller
Ab und zu lese ich gern historische Romane. Am liebsten mit einer Frau in der Hauptrolle, die sich in einer Männerdomäne durchsetzt. Dieser Roman ist so einer. Hier hat mich die Kurzbeschreibung auf der Rückseite neugierig gemacht.
Die Kurzbeschreibung
Amsterdam, 1892: Nach dem Tod ihrer Eltern will die junge Lydia den großen Traum ihres Vaters verwirklichen und eine Käsefabrik gründen. Die Teekränzchen und Wohltätigkeitsveranstaltungen, die von ihr als Dame der oberen Gesellschaftsschichten erwartet werden, erfüllen sie nicht, aber Frauen ist es zu dieser Zeit grundsätzlich nicht erlaubt, eigenständig ein Unternehmen zu führen. Mithilfe von Huib jedoch, eines fortschrittsbegeisterten Bauern aus der Gegend, rückt der Erfolg in greifbare Nähe, obwohl die ungleichen Partner immer noch um Anerkennung kämpfen müssen. Durch das gemeinsame Ziel kommen die beiden sich näher … Jahrzehnte später enthüllt Lydias Tochter das Geheimnis ihrer Herkunft – und durch den hereinbrechenden Krieg sind beide Frauen gezwungen, für das zu kämpfen, was sie lieben.
Meine Eindrücke
Ich war recht schnell ins Geschehen eingetaucht und konnte mir die handelnden Personen gut vorstellen.
Ich habe allerdings die Motivation von Lydia hinterfragt: Sie findet Aufzeichnungen ihres Vaters über dessen Pläne für eine Käsefabrik und will diese dann verwirklichen. Warum? Nur weil sie davon erfährt? Das fand ich ein wenig seltsam. Aber darüber nachzudenken ist müßig, denn dann würde der ganze Roman wenig Sinn ergeben.
Trotzdem mochte ich die Idee und habe die Bemühungen von Lydia und Huib mit Spannung verfolgt. Dass die beiden dann etwas miteinander angefangen haben, fand ich recht vorhersehbar und ich denke, es ist kein großer Spoiler, wenn ich es hier erwähne. Dann kam noch ein anderer Mann ins Spiel und ich habe schon befürchtet, dass die Entwicklung einen für solche Geschichten „typischen“ Verlauf nehmen würde. Das tat sie aber erfreulicherweise nicht.
Am Anfang habe ich beim Lesen oftmals gedacht: OK, es war sehr unterhaltsam bis hierher, aber irgendwie lief alles zu glatt. Wann kommt denn der große Knall? Nun müssen doch richtig schlimme Probleme mit dem Unternehmen kommen, die es zu überwinden gilt, und anschließend der Kampf darum.
Ein wenig war es auch so, aber es wurde dann mehr und mehr zur Geschichte von Nora, der Tochter der Unternehmerin Lydia. Es war alles sehr spannend und es hat mir auch Spaß gemacht zu lesen. Die Autorin hat viele historische Bezüge geschaffen und auch einige echte Personen eingearbeitet.
Der Titel „Die Unternehmerin von Amsterdam“ bezieht sich auf Lydia und irgendwie ist dieser Roman mehr als das.
Fazit: Spannende Geschichte, unterhaltsam zu lesen. Aber ich habe den Eindruck, dass die Autorin damit zu viel wollte, weil sie unbedingt noch diesen und jenen historischen Bezug eingebaut hat. An manchen Stellen hätte Straffung, wenn nicht sogar Streichung einzelner Personen, gutgetan.
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternen.
Details
| Autor: | Simone van der Vlugt |
| Titel: | Die Unternehmerin von Amsterdam |
| übersetzt von: | Barbara Heller |
| Genre: | Historischer Roman |
| Verlag: | HarperCollins |
| Erscheinungsjahr: | 2022 |
| Seitenanzahl: | 352 |
| ISBN: | 9783365001240 |
Das Buchcover im Titelbild gehört dem Verlag HarperCollins.

