Das ist wieder ein Buch, das so lebendig beginnt, dass ich nach dem Lesen des Anfangs gar nicht anders konnte, als den ganzen Roman zu lesen.
Worum geht es? Die Kurzbeschreibung
Die kommt vom Verlag und besser könnte ich es auch nicht ausdrücken:
Raffiniert und bissig schreibt die Bestsellerautorin Doris Knecht über das Leben als Frau, über Freundschaft und über Sinn und Unsinn der romantischen Liebe.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren fühlt sie sich wieder frei: Die Kinder sind ausgezogen, in ihrem Dasein zwischen Großstadt und Landleben breitet sich Ruhe aus. Doch dann wird ihre Wohnung von ihrer Schwester besetzt, es droht ihr ein Zahn auszufallen und sie wird mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert. Während sich das eher marginale gesundheitliche Dilemma zu einer kleinen existenziellen Krise auswächst, trifft sie im Supermarkt einen Mann von früher wieder: Friedrich. Eine Begegnung, die sie vor eine Frage stellt, mit der sie sich eigentlich nicht mehr beschäftigen wollte: Ist sie bereit für eine weitere Liebesbeziehung? Oder besser gesagt: Ist sie bereit, ihr gutes Leben zu teilen, ihre innere Zufriedenheit zu riskieren, schon wieder? Ein moderner Roman über das Leben als Frau, der das ewige Primat der romantischen Liebe infrage stellt – unverbittert, witzig, lebensklug
Meine Eindrücke
Ich bin nur etwas jünger als die Protagonistin, kann mich zwar nicht mit ihr identifizieren, aber ich kann vieles aus ihrer Erfahrungswelt nachvollziehen.
Es gefällt mir, wie sie ihre Sicht der Dinge darstellt. Oftmals einfach nur durch treffende Beschreibungen, wie z. B. ihre Erlebnisse bei den Zahnärzten. Zu manchem Satz kann ich das Augenzwinkern direkt sehen und muss im Geiste nicken.
Außerdem finde ich ihre Selbstironie sehr gelungen dargestellt. Einerseits überlegt sie sich, was sie will und was nicht, wie sie reagieren wird, wenn ein bestimmtes Ereignis eintritt. Schließlich macht sie es genau anders, merkt das auch sofort, nimmt es hin und verzeiht sich selbst sogleich. Das finde ich äußerst sympathisch und unterhaltsam.
Sie kennt sich selbst und ihre Schwächen und lebt mit manchen davon, ohne dagegen anzukämpfen. So weiß sie z. B. ganz genau, dass sie den Wein, den Friedrich mitbringen will, nicht mag, aber genauso weiß sie von vornherein, dass sie das nicht sagen wird. Sie will einfach gefallen. Wer will das nicht?
Die Protagonistin ist selbst Autorin und so entsteht automatisch der Eindruck, dass Doris Knecht eine Menge von sich selbst in diesen Roman gepackt hat. Er wirkt dadurch besonders authentisch.
Was ich allerdings etwas zu dick aufgetragen fand, waren die Kapitel, in denen es um den Inhalt des Buches geht, das die Hauptheldin gerade schreibt. Dort kommen die Figuren aus ihrer Realität vor, so dass ich anfangs etwas irritiert war. Was ist nun Fiktion, was die Wahrheit aus Sicht der Hauptheldin?
Aber letzten Endes empfand ich auch diese Kapitel als unterhaltsam geschrieben und manchmal auch zum Schmunzeln, so dass sie nicht weiter gestört haben.
Das Ende hat mir sehr gut gefallen. Überhaupt war es keine typische Liebesgeschichte und ging anders aus, als ich erwartet hatte.
Fazit
Sehr unterhaltsam, einiges an Augenzwinkern. Anstelle der Sache mit dem „Buch im Buch“ hätte ich mir noch etwas mehr Handlung gewünscht.
Ich kann mir auch vorstellen, dass sehr viel jüngere Leser*innen nicht viel mit diesem Roman anfangen können. Deshalb diesmal von mir eine Altersempfehlung: Für Leser, die nicht jünger sind als Ende 40.
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternen.
Details
Autor: | Doris Knecht |
Titel: | Ja, nein, vielleicht |
Genre: | Liebesroman, Literatur |
Verlag: | Hanser |
Erscheinungsjahr: | 2025 |
Seitenanzahl: | 240 |
ISBN: | 9783446282889 |
Das Cover im Titelbild gehört dem Hanser Verlag.